Laufen im Netzwerk des Lebens

Die Umschreibung „Netzwerk des Lebens“ ist eine bildhafte Darstellung und soll uns die Verflechtung mit den vielfältigen Bereichen des Daseins, die unsere Lebensqualität beeinflussen, vor Augen führen. Laufen oder andere Sport arten bilden für viele unter Ihnen einen dieser Fäden, mitunter auch den Leitfaden. Daneben ist allerdings noch eine Vielzahl anderer Fäden wirksam und für ein aus geglichenes (Lebens-) Netz bestimmend.  So geht’s nicht weiter

von Udo Möller | Fotos: Craft/Montage: Clemens Wahl

Viele kennen diesen (Vor-) Satz, und früher oder später fällt der Startschuss zur „Laufkarriere“. Also auf zum Einkauf: Laufschuhe, entsprechende Socken, Bekleidung, funktionell, für alle Wetterlagen, Pulsmesser, GPS und was es sonst noch gibt, schließlich ein Trainingsprogramm, medizinischer Checkup, Tests, Nahrungsergänzung … Nein, ich möchte an dieser Stelle nicht missverstanden werden, all diese Dinge sind sinnvoll und erfüllen durchaus ihren Zweck. Wie aber steht es um die Fragen: Warum mache ich das überhaupt? Welche Ziele sind damit verbunden? Wie viel zeitlichen Raum gebe ich dem Sport? Geht es um Abnehmen, Leistungsorientierung, Krisen- und Stressbewältigung etc.? Welche Erwartungen habe ich generell an das Laufen? Schwingt neben allen positiven Aspekten, wie beispielsweise körperlicher Fitness und psychischen Hochgefühlen, nicht auch eine bedenkliche Seite mit? Denken wir nur an die immer wieder diskutierte Laufsucht oder an überhöhte Leistungsziele, Mega- und Ultradistanzen. Nun, jeder hat zweifelsohne seine individuellen Beweggründe, aber welchen Einfluss nimmt also das Laufen in Bezug auf die Lebensgestaltung und welche Vorsätze gehen damit einher?

Über die Balance im Leben

Es scheint müßig, bei all den oben erwähnten Fragen lediglich eine zufriedenstellende Antwort finden zu wollen. Es kann keine allgemein gültige Lebens – beratung mit nur einem Rezept geben. Eine Lebensbalance wird sich kaum ausschließlich über den Sport erschlie – ßen, obgleich die körperlichen Aktivitäten einen großen Beitrag hierzu leisten können. Ein erfülltes Dasein spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab, dazu kann gehören:

✔ ein sinnvoller Job

✔ wohltuende Beziehungen/Freundschaften

✔ soziales Engagement

✔ schöpferische Hobbys

✔ erholsame Pausen

Die Beispiele zeigen zudem ein Wechselspiel zwischen Phasen des Alleinseins und Aktivitäten in der Gemeinschaft. Der Mensch ist ja bekanntlich ein Gewohnheitstier, und Laufen kann in diesem Zusammenhang regelrecht zur Gewohnheit werden. Auch hier dürfte ein Wechselspiel, „Alleine – Gruppe“, sehr gut tun.

Die Mischung macht’s

Eine Tatsache ist auch, dass die oben angeführten Punkte keine statischen sind, dass heißt nicht zuletzt: Durch persönliche Veränderungen und Umgestaltungen der Umgebung ist unser Bedürfnis nach Balance ständig im Wandel und in Bewegung. Das Gleiche gilt eben auch für Lebensfreude, Fitness, Gesundheitsorientierung etc. All dies sind keine (statischen) Zustände, sondern sie unterliegen einer permanenten Entwicklung, sind dynamisch und wir tragen schlussendlich aktiv dazu bei. Am besten gelingt dies mit einer guten Mischung aus Neuem, Anregungen auf der einen Seite und Gewohntem, Vertrautem auf der anderen. Insbesondere die nun beginnende Winterzeit gibt den Anlass, einmal nachzu sinnen und eine kleine Bilanz für sich zu ziehen, was momentan oder in der letzten Zeit zu kurz gekommen ist. Berücksichtigen Sie so viele Ebenen wie möglich und vermerken Sie auch die gelungenen Aspekte. Die Fragen könnten folgendermaßen lauten: Was gelingt mir gut, was weniger gut in Bezug auf:

■ Zielsetzungen (beruflich, sportlich, Lebensziele …)

■ Familie

■ Anspannung/Aktivität und Entspannung

■ Zeitmanagement

■ Genießen, Kreativität

■ Ernährung

■ Arbeit, Privatleben, Freizeit

Reflektieren Sie

Im Alltag wird wohl kaum der Fokus auf mehrere der genannten Punkte gleichzeitig zu richten sein. Sollten aber einige Aspekte mit der Bewertung „gelingt weniger“ versehen werden, so haben Sie eine erste Vorstellung, wo Sie zukünftig für einen Ausgleich sorgen können. Dieses Beispiel ist lediglich im Ansatz ausformuliert, zeigt jedoch einen ersten Schritt. Die Lebensgestaltung bleibt eine lebenslange Aufgabe und erfordert viel Wachsamkeit. Fehler machen wir alle, und bekanntlich lernen wir aus ihnen. Überdenken Sie in Ruhe einmal Ihre sportlichen Ambitionen und vernetzen Sie sie ruhig mit Ihrer derzeitigen Lebensphase. In den letzten Jahren habe ich viele Athleten erlebt, deren sportliche Ziele zu hoch gesteckt waren, die leistungsmäßig eingebrochen sind – dann folgten die Zwangspausen, Pausen zum Nachdenken. Sein Limit kennenzulernen, den „Kick“ zu erhaschen, ist offenkundig ein Zeichen unserer Erlebnisgesellschaft. Umso wichtiger wird es, zwischendurch innezuhalten, sich zu fragen, was tatsächlich „Leib und Seele“ zusammenhält. „Die Seele baumeln lassen“ soll selbstverständlich kein Aufruf zur Passivität sein. Bewegung trägt wesentlich zur Gesundheitsverbesserung bei, daran besteht kein Zweifel, aber die unrealistischen Zielsetzungen sind beileibe keine guten Lebensbegleiter. Die Sporttherapie und -psychologie könnten zu dieser Thematik noch viele umfassende Erkenntnisse und Ansätze beisteuern. Seien Sie gespannt auf weitere Beiträge.

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2018-10-31T14:25:02+00:00