Die Begegnung der tierischen Art – So läuft es zwischen Zwei- und Vierbeinern

Dass der Hund des Menschen bester Freund sei, ist ein geläufiges Sprichwort. Die Beziehung zwischen beiden dürfte auf unsere Vergangenheit als Jäger und Sammler zurückzuführen sein. Heute ist der Vierbeiner für viele ein treuer Begleiter und Helfer, mitunter aber auch ein Problem. Nicht alle freuen sich über die Begegnung der tierischen Art. Doch es gibt vielfache Möglichkeiten, wie Hund und Läufer sich Wald, Flur und Stadtpark teilen können.

von Wiebke Knoche | Fotos: Marcel Milow

Nicht bei jedem Läufer schlägt das Herz aus Freude höher, wenn er während seiner Runde auf einen fremden, womöglich nicht angeleinten Hund trifft. Schließlich besitzen Hunde einen Jagdinstinkt, der den nicht hundeaffinen Aktiven vielleicht als lohnenswertes Ziel der Hatz erscheinen lässt. Selbst wenn die meisten Hunde niemanden gefährden, haben viele Menschen ein ungutes Gefühl, an dem fremden Tier einfach cool vorbeizulaufen.

Nix wie weg?

Der Kanadier hat die Faustregel „Never run away from a bear“. Nun sind die Gefahren, die von Schwarz- oder Braunbären ausgehen, nicht mit denen vergleichbar, die ein Hund in Freiburg oder Berlin darstellt. Dennoch kann der Ausdauersportler, dem schon von Weitem angst und bange wird, mit einigen grundlegenden Verhaltensregeln die

Situation entschärfen und so auch für das eigene Wohlbefinden sorgen. Dazu muss man nicht gleich umkehren und seine Trainingsroute komplett ändern. Etwas Abstand halten, nicht direkt auf den Hund zulaufen und im Zweifel festen Schrittes vorbeigehen, ohne dem fremden Tier in die Augen zu schauen, entschärft meistens die Situation.

 

Nonverbale Kommunikation

Bekanntlich kann man ja nicht nicht kommunizieren. Welche Signale der Läufer dem Vierbeiner übermittelt, ist also entscheidend. Und da nicht einmal Lassie sprechen konnte, sind Hunde auf nonverbale Kommunikation angewiesen, um den Sportler zu verstehen. Zeigt jener, dass er von dem Tier nichts will, hat der Hund ebenfalls keinen Grund, sich mit dem seltsam neonfarben gekleideten Zeitgenossen zu beschäftigen. Will man allerdings Kontakt aufnehmen, empfiehlt es sich, einige Grundkenntnisse des Kommunikationsverhaltens der Vierbeiner zu besitzen. Selbst Hundefreunde fragen am besten den Halter, wie denn das Tier heißt oder ob man es vielleicht streicheln darf. Wer es bis zum Beschnuppern geschafft hat,steht kurz vor dem Beginn einer wundervollen Freundschaft.

Laufende Herrchen und Frauchen

Nun gibt es jene Hundehalter, die ebenfalls dem Laufsport frönen und naheliegender Weise ihre Trainingseinheiten mit ihrem besten Freund absolvieren. Dies ist eigentlich keine schlechte Idee, denn Hunde lieben Bewegung und bekommen in unserer städtegeprägten Zivilisation eher zu wenig davon. Doch wie Menschen sind auch Hunde unterschiedlich.Nicht jede Rasse eignet sich für einen langen Kanten oder eineschnelle Tempoeinheit. Wichtig ist,dass Hund und Läufer den gleichen Laufrhythmus haben. Damit das Tier mit einem gewissen Freiraum neben dem Herrchen mitlaufen kann, empfiehlt sich ein Gürtel mit einer Leine, die einen Ruckdämpfer besitzt. Auch einige Signale, wohin es geht, sollte der Vierbeiner verstehen.

Bewegung ohne Sinn?

Hunde gehen nicht spazieren und genießen die Landschaft, genauso wenig rennen sie einfach nur so zur Bewegung und körperlichen Auslastung durch die Gegend. Bewegung muss Sinn machen. Während der zwei beinige Läufer durch das Training seine Ausdauer verbessern, seinen Kopf durchlüften oder sein Gewicht reduzieren möchte, erfüllt das bloße Rennen für den Vierbeiner keinen eigenen Zweck. Kommt ein Ball oder die Suche nach Futter hinzu, sieht die Sache anders aus: Für den Hund ergibt sich erst dann ein Sinn. Daher kann die Trainingseinheit mit Herrchen nicht andere Ausflüge ersetzen, die den Hundebedürfnissen entgegenkommen: schnuppern, entdecken, spielen.

Hundemüde

Nicht nur Menschen können an ihre körperliche Leistungsgrenze gelangen, auch Tiere besitzen eine solche. Hunde müssen zudem ihre Körpertemperatur über das Hecheln regeln. Daher dürfen Signale, die der Hund während der Laufeinheit sendet, nicht übersehen werden. Hängt die Zunge bis zum Hals heraus und markiert eine Speichelspur die Laufstrecke, empfiehlt es sich, den Flüssigkeitsspeicher des Tieres durch einen kurzen Stopp am Bach oder mittels Trinkflasche wieder aufzufüllen. Nicht nur im Sinne des Läufers, sondern auch um Qualen beim Hund zu vermeiden, eignen sich im Sommer Waldwege besser als der aufgeheizte Asphalt.

Die Schuldfrage

Treffen die unterschiedlichen Akteure aufeinander, ist Rücksicht das allgemeine Gebot, denn leben und leben lassen ist auch zwischen Hunden, Haltern und anderen Menschen ein tragfähiges Motto. Für den Juristen gilt jedoch: Das Tier ist eine Sache, es kann keine Verantwortung für sein Handeln tragen. Verantwortlich dafür, dass von einem Tier keine Gefahr ausgeht, ist allein der Halter. Und es gibt keine Pflicht für den Rest der Menschheit, sich hundegerecht zu verhalten. Verletzt der Hund einen Menschen, stellt dies schnell eine Straftat für den Besitzer dar. Das bedeutet ganz klar für das Herrchen: Im Zweifel den Hund zu sich rufen, um andere Läufer oder Spaziergänger friedlich passieren zu lassen. Denn die Aus reden „Der will nur spielen“ oder „Das hat meiner vorher noch nie gemacht“ zählen vor Gericht nicht.

Ziemlich beste Freunde

Doch so weit braucht und soll es nicht kommen. Das gegenseitige Verständnis zwischen Hundehaltern und solchen, die lieber keine Hunde neben ihrer Wade haben, sowie eine gute Kommunikation des Tierfreundes mit seinem Begleiter auf der einen und einige Vorsichtsregeln auf der anderen Seite dürften das Konfliktpotenzial stark schrumpfen lassen. So kann der Hund nicht nur des Menschen bester Freund sein, sondern ebenso können Läufer und Hunde ziemlich beste Freunde werden.

Annäherung – Was meinen Herrchen?

Typische Szene: Auf seiner Runde durch den Park begegnet ein Läufer nicht nur Sportsfreunden, sondern auch Hund und Herrchen. Für das richtige Verhalten gibt es kein Patentrezept, aber einige Empfehlungen der Hundebesitzer. Die meisten Herrchen sind dankbar für jegliche Art von Signal des ihnen entgegenkommenden Läufers. Wer sich und seine Angst frühzeitig ankündigt und seinen Schritt entsprechend verlangsamt, gibt dem Halter die Chance, zu reagieren. Hierfür genügt die einfache Bitte „Können Sie Ihren Hund anleinen?“. Läufer, die versuchen, sich in Form von Kommandos direkt an den Vierbeiner zu wenden, können mit tauben Ohren rechnen, da jedes Tier anders geschult ist. Aus weiter Entfernung raten Herrchen den Sportlern jedoch, nicht zu schreien, sondern einfach ein kurzes Handsignal zu geben. Besonders Läufer, die von hinten zum Überholvorgang ansetzen, sollten dies nicht unangekündigt tun. Wer vorbeiflitzt oder den Hund überspringt, riskiert ein Zuschnappen in die Wade. Stattdessen kurz Bescheid geben: „Achtung, es kommt jemand von hinten!“ Beim Passieren raten Herrchen: den Hund ignorieren, Augenkontakt vermeiden und vorbeilaufen.

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2018-10-31T14:31:02+00:00