Laufen zu zweit = doppeltes Vergnügen? Wohl kaum!

Es gibt so vieles, das zu zweit einfach mehr Spaß macht. Verreisen, Shoppen, Essen, Netflixen, Sex. Eins aber, das funktioniert alleine am besten, finde ich. Laufen. Alleine Laufen, das ist wie Verreisen zu zweit. Wenn ich alleine laufe, bin ich, so gesehen, nicht wirklich alleine. Ich denke dabei permanent an andere. Und genau das macht das Laufen so attraktiv. Das Laufen alleine. Aber von vorn: Wie sieht das aus, das Laufen zu zweit?

von Ninette Böhle

Alles beginnt mit der Organisation. Das Wort allein klingt schon nach Stress. „Wann kannst Du? Nein, da kann ich nicht. Um 9.00 Uhr? Nein, zu früh. Im Wald? Lieber Asphalt.“ Alles klar, danke tschau. Hat man sich dann geeinigt, bleibt das alles Entscheidende bis zum bitteren Ende ungeklärt: das Tempo. In Italien heißt „tempo“ übersetzt Wetter. In meinem Fall wäre es Regen. Kalter Nieselregen. Ich muss keinem Läufer erklären, dass die ersten Minuten, wenn nicht sogar Sekunden, entscheidend für den gesamten Lauf sind. Wenn Du die versemmelst, bist Du raus. Da kannst Du gleich wieder reingehen. Startest Du zu hastig, knabberst Du jeden Kilometer daran und der Spaß bleibt auf der Strecke. In meinen Laufschuhen möchte ich den Ton angeben, da passt man sich gefälligst meinem Tempo an. Illusion. Weil Freunde im Leben ja wichtig sind, richte ich mich dann doch immer nach dem Tempo des anderen, und das ist einfach nie meins. Egal. Los gehts.

Ich weiß nicht, wer die Regel ins Leben gerufen hat, man solle so laufen, dass man sich währenddessen noch unterhalten kann. Dieser Mensch ist allenfalls dafür verantwortlich, dass ich mich schlecht fühle, wenn meine Luft nicht für einen ausführlichen Smalltalk reicht. Andererseits – warum sollte ich mit einem Zweiten laufen, wenn ich mich nicht mit ihm unterhalte. Ich bin aber so clever, dass ich mein Pulver an Worten direkt zu Beginn verschieße. Da bleibt mehr Power für die Zielgerade. Heißt: Direkt zu Beginn im Affenzahn runterplaudern, was einem auf dem Herzen liegt und dann abdanken. Also den Ball rüberwerfen: „Und, erzähl mal, was geht bei Dir so?“ Dann lehnt man sich gedanklich schön zurück und lauscht dem Geplapper des Nachbarn. Oder Vordermanns, je nach Situation. Im Bestfall wird das dann nur noch mit einem „Oha! Ja, genau!“ quittiert. Muss reichen. Anders, aber nicht weniger schlimm, ist es, wenn Du Dich beim Lauf wie ein Rennpferd im Hasen – käfig fühlst. Nichts geht, Du drehst Dich dauernd um und fragst Dich, wann ihr endlich loslauft. Dabei ist das für den anderen schon der Sprint. Was soll man da machen? Vorlaufen? Anschieben? Schwierig. Und so zieht sie sich dann hin. Die Lauferei zu zweit. Das Sich-mit-Schleppen, das Sich-Anpassen an den Rhythmus des anderen. Am bitteren Ende ist dann entweder der eine platt oder der andere. Der eine vom Laufen oder Nichtlaufen, der andere vom Quasseln und so richtig genossen, die Natur in sich aufgesogen, gedanklich zur Musik im Ohr getanzt, wurde nicht. Dafür ist man im Privatleben des anderen wieder richtig drin. Eins muss ich aber eingestehen: Marathon laufen, das ist so eine Sache, bei der ich auf meine beste Freundin und Laufpartnerin nicht verzichten möchte. Ohne sie, ihre hörspielähnlichen Storys und ihr flinkes Tempo wäre ich nie eine so gute Zeit gelaufen. Währenddessen entwickelt man zwar die wildesten Hassgefühle, möchte am T-Shirt zerren und Beinchen stellen, aber hinter der Ziellinie, da geht dann wieder die Sonne auf. Da fällt man sich erschöpft und klatschend in die nassen Arme und erfreut sich am gemeinsamen Erfolg. Das ist alleine dann doch nur so semi möglich. Wobei: Ein freiwilliger Sanitäter findet sich immer für ein paar „free hugs“.

Apropos Kisses und Hugs. Es gibt Männer, die machen mir die Freude, beim ersten Date laufen zu gehen. Nicht im übertragenen Sinn gemeint natürlich. So richtig schön entspannt zusammen laufen. Einfach das perfekte Date. Da braucht man sich vorher nicht duschen, Make-up ist überflüssig und die Frage nach dem Outfit erledigt sich auch. Wobei: Meine Auswahl an Laufdresses ist genauso üppig wie die meiner Daily- Styles. Aber das weiß ja keiner. Im Fall des Laufdates heißt es punkten durch Ausdauer. Dabei muss man nur noch gut aussehen, und das Ding ist im Kasten. Selbst ein nasser Rand unterm Arm und zotteliger Pferdeschwanz machen mich aber offenbar genauso sexy wie im Lederlook mit Smokey Eyes. Erstaunlich, aber cool. Sportlich, schnell und deswegen wunderschön – so kriegt „Frau“ jeden. Und: Der Unterschied zum Laufen mit einer Freundin – die Taktik mit dem Plappern zu Beginn kann man sich hier getrost sparen. Interessant und geheimnisvoll ist nämlich die, die mal den Mund hält. Erst mal den Mann machen lassen und sich alles in Ruhe angucken. Auch mal von hinten. Zurück vom Laufen hat man dann die Wahl zwischen „Oh, jetzt muss ich mal duschen gehen, Du kannst gerne warten oder mitkommen“ und „Du, ich bin so platt, ich hau mich lieber mal hin. Tschüssi!“. Besser gehts eigentlich nicht. Da hast Du das Tempo dann endlich selbst in der Hand.

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2018-10-31T14:25:36+00:00